Bereitschaftspflege

Nach § 42 SGB VIII ist Inobhutnahme die vorläufige Unterbringung eines Kindes oder Jugendlichen durch das Jugendamt zu dessen Schutz z.B. bei einer geeigneten Person, in einer Bereitschaftspflegestelle, in einer Einrichtung etc. Gemäß § 76 Abs. 1 können die Träger der öffentlichen Jugendhilfe Träger der freien Jugendhilfe an der Durchführung dieser Aufgabe beteiligen oder ihnen diese Aufgabe übertragen.

In Obhut genommene Kinder oder Jugendliche wurden in der Herkunftsfamilie in der Regel mit Situationen von Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch konfrontiert. Dabei war die altersgemäße körperliche Versorgung, persönliche Zuwendung und Förderung der Kinder und Jugendlichen durch ihre Eltern oder die Betreuungspersonen, die den Grundstein einer gesunden Entwicklung bildet, nicht ausreichend und zuverlässig gegeben.

Die Bereitschaftspflege bietet für diese Kinder und Jugendlichen eine befristete, vorläufige Unterbringung und Erziehung in einer dafür geschulten Familie. Hier wird die familiäre Erziehung mit pädagogischer Professionalität verbunden. Das betroffene Kind /der betroffene Jugendliche erhält so die Möglichkeit, in einem stabilisierenden Lebensumfeld aufgefangen zu werden, in dem es allmählich wieder zu sich selbst finden kann und neue Ressourcen für sein Leben aufbauen kann. Es lernt andere Beziehungsmuster, Konfliktbewältigungsmöglichkeiten und familiäre Strukturen kennen.

Das Jugendamt hat durch die Bereitschaftspflege die Möglichkeit, die weiteren Unterbringungsmöglichkeiten des Kindes oder Jugendlichen in Ruhe zu klären. Die Bereitschaftspflegefamilien übernehmen die Versorgung der Kinder und Jugendlichen bei zeitlich befristetem Ausfall der Herkunftsfamilien bzw. decken den Zeitraum der Klärung ab. Im Einzelfall kann das Jugendamt so in Ruhe abwägen ob das Kind wieder zur Herkunftsfamilie zurück kann(eventuell mit unterstützenden Hilfen für die Familie), oder ob es in eine Dauerpflegefamilie, manchmal auch in ein Heim weiter vermittelt wird.

Bereitschaftspflege bedeutet für die aufnehmende Familie mit dem Bereitschaftspflegekind zu leben, immer im Bewusstsein, dass sein Aufenthalt in dieser Familie befristet ist. Dies muss dem Kind und den eigenen Familienangehörigen immer äußerst feinfühlig und alters-angemessen vermittelt werden.Trotzdem soll das Pflegekind natürlich mit der selben Liebe und Achtung betreut werden, wie ein eigenes Kind. Je länger das BPF-Kind in der Familie bleibt, desto mehr wachsen alle Beteiligten zusammen und desto schwerer ist es, den Gedanken einer befristeten Lebensgemeinschaft mit dem Kind lebendig zu halten.