Pflegestellen

Alle Familienmitglieder müssen mit der Bereitschaftspflege einverstanden und die Familie als Ganzes muss dazu geeignet sein (s.u.) Um dies sicherzustellen, wird mit allen Familienmitgliedern über die Aufnahme eines Kindes und ihre Meinung dazu gesprochen; auf altersgerechte Weise auch mit den leiblichen Kindern der Familie.

Eine von der Arche unterstütze intensive Auseinandersetzung mit der Aufgabe im Vorfeld sowie ein ausführliches Einführungsgespräch und die fachliche Beurteilung durch erfahrene SozialpädagogInnen sorgen für eine intensive und fachlich gut betreute Vorbereitung auf die Arbeit. Die psychische und physische Belastung für Pflegefamilien ist außergewöhnlich hoch. Themen wie Trauer /Abschied, Nähe/Distanz und Grenzen der eigenen Belastbarkeit müssen unbedingt bearbeitet werden. Dies geschieht im Rahmen regelmäßiger Treffen, bei denen unterschiedliche Themen bearbeitet werden und ein Erfahrungsaustausch der Arche-Familien statt findet.

Die Bereitschaftspflegefamilie ist als Organismus zu verstehen, der sich der aktuellen Lebenssituation seiner Mitglieder anpassen muss. Daher ist der zeitlich begrenzte Aufenthalt eines Pflegekindes in all seinen spezifischen Phasen (Aufnahme und Eingewöhnen in der BPF bis hin zur Verabschiedung, dem Zurück-Organisieren der eigenen Familie und zur nächsten Aufnahme) jedes mal wieder neu für den Familienorganismus zu organisieren. Diese Veränderungen müssen von allen Familienmitgliedern mitgetragen, ausgehalten und emotional umgesetzt werden. Hierzu bietet die Arche ihren Familien professionelle  Hilfe und Unterstützung.

Arche Miesbach akquiriert Familien sowohl über Zeitungsannoncen als auch Flyer, die an passenden Orten ausgelegt werden sowie über Mundpropaganda von Familien, die bereits mit Arche zusammen arbeiten und Freunde oder Bekannte durch ihr Tun für Bereitschaftspflege interessieren konnten.

Besonders die durch persönliche Empfehlung vermittelten Aspiranten sind schon bei der ersten Kontaktaufnahme bereits in den Grundzügen mit der Arbeit einer Bereitschaftspflegefamilie vertraut und die Arche kann die Stärken und Schwächen dieser Familien von Anfang an besser einschätzen.

Im ersten Bewerbungsschritt füllt die Familie gemeinsam einen postalisch zugestellten, mehrseitigen Fragebogen aus, der an Arche zurück geschickt und dort ausgewertet wird. Auf dieser Basis findet zeitnah ein persönliches Gespräch bei der Familie statt, bei dem wesentliche Punkte besprochen und die Eignung der Familie eingeschätzt wird.

Besonderer Fokus wird dabei gelegt auf:

1. Hohe Belastbarkeit und hohe Flexibilität

  • Eine Platzanfrage kann jederzeit kommen, das heißt, die familiäre Planung muss ohne Vorlaufzeit mit Aufnahme des BPF-Kindes an die neue Lebenssituation angepasst werden.
  • Die Dauer der Inobhutnahme ist zunächst offen.
  • Kooperationsbereitschaft der Pflegeeltern mit allen beteiligten Ämtern, Schulen, Gutachtern etc.
  • Bereitschaft und Bewusstsein zur Anerkennung und Akzeptanz der leiblichen Eltern durch die Pflegeeltern.

2. Räumliche und finanzielle Voraussetzungen

  • Für das Pflegekind muss ein eigenes Zimmer vorhanden sein.
  • Die Familie muss finanziell so abgesichert sein, dass das Bereitschaftspflegeentgeld nicht zum Lebensunterhalt der Familie benötigt wird.
  • Neugierde auf und Interesse an anderen Menschen.
  • Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich spontan und flexibel, ernsthaft und ausdauernd auf einen jungen Menschen mit all seinen Bedürfnissen und Problemen einzulassen.
  • Die Bereitschaft und Fähigkeit, sich als Familie, solange das BPF- Kind bei ihr lebt, neu zu definieren, um dem Kind einen angemessenen Platz in der Familie zur Verfügung stellen zu können, und in der Familie ausreichend Schutz, Zuwendung und emotionale Ansprache zu zu sichern.
  • Genügend Ressourcen um - wenn nötig - spontan für die Betreuung des Pflegekindes in der Familie deutlich mehr Zeit aufzuwenden.
  • Ein großes Ausmaß an Sensibilität, Toleranz, Empathie und Geduld um mit den in Obhut genommenen Kindern, die meist schon durch die Umstände und ihre Lebenssituation in der unmittelbaren Zeit vor der Inobhutnahme mehr oder weniger traumatisiert sind, angemessen und respektvoll umgehen zu können.
  • Ein klares Bewusstsein über die Ambivalenzen und verschiedenen Erwartungen der Familienmitglieder, sowie denen des Pflegekindes und die Sensibilisierung damit  konstruktiv umzugehen. Dies setzt eine hohe Bereitschaft und auch Fähigkeit zu Einfühlungsvermögen, Toleranz, Frustrationsbereitschaft und Kommunikation voraus. Besonders zu Beginn der BPF kann es zu Konflikten kommen bis die Positionen in der Familie ausgehandelt sind und das BPF-Kind mit den Familienregeln vertraut ist und diese akzeptiert hat. Die BPF-Familie muss dabei ihre eigenen Grenzen gut kennen und auch in einer Krisensituation wahrnehmen können und auch bereit und darauf vorbereitet sein, sich rechtzeitig beim Fachpersonal des Trägers Hilfe zu holen.


Nach Klärung all dieser Punkte stellt die Familie Arche ein Gesundheitszeugnis und polizeiliches Führungszeugnis aller erwachsenen Familienmitglieder zur Verfügung. Arche wiederum übermittelt die Daten der Familie zur Prüfung an das zuständige Kreisjugendamt Miesbach, und schließt mit der Familie nach Freigabe einen Vertrag.